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Gedenkkerze
Stefan Finkl
Lieber Wilhelm,
als Kind und Jugendlicher (vor 4 Jahrzehnten) konnte ich bereits Vieles, Schönes und Unvergessenes von dir lernen (nicht zuletzt auch das Schachspiel).
Dein Herz voller christlicher Nächstenliebe und Deine Tür zu Deiner winzigen Wohnung damals war immer offen.
Du warst mein Ministrantengruppenleiter und später ein guter, älterer, väterlicher Freund! Viele unvergessene Abenteuer konnte ich dank dir als Kind erleben (z.B. die Zeltlager in Sielenbach)
Vielen Dank für alles und besonders für dein Vorbild im unerschrockenen Zeugnis im Glauben! Du hattest mich geprägt.
Der HERR möge Dir das viele Gute, was Du den unterschiedlichsten Menschen (und oft auch den "niedrigsten") und auch mir getan hast, um ein Vielfaches und reichlich vergelten!
Wir sehen uns, wenn auch meine Zeit gekommen sein wird! :-)
Gedenkkerze
Nachbarin Julia und Tochter
Lieber Wilhelm, möge deine Seele in Frieden ruhen.
Gedenkkerze
Robert Heuser
Abschied von Wilhelm Dresbach, Hermanfriedhof, St. Michael, 13. 3. 2026
Lieber Ewald, liebe Familie Dresbach, werte Gemeinde,
wir nehmen Abschied von unserem Onkel und Bruder, unserem Freund und Gemeindemitglied Wilhelm oder Guillermo Dresbach.
Gut acht Jahre sind es her, dass ich Wilhelm zum ersten Mal, nur wenige Wochen nach unserem Umzug von Köln, begegnete – in der Fuggerei-Kapelle St. Markus. Dort hatte er die Lesung vorgetragen und mir gefiel die Stimme, denn sie hatte etwas Rheinisches.
Am Ende der Messe stellte ich mich vor und er erwiderte: „Ach, aus dem Rheinland. Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen, wo ich wohne.“ Das war unser erstes Treffen im Paradiesgässchen, der Anfang eines regen Austauschs über die uns beide beschäftigenden Fragen von Religion, Kirche und Gesellschaft.
Er sprach häufig über sich und so auch davon, dass er 1937 in Lennep b. Remscheid im Bergischen Land geboren wurde – nicht weit von Köln. Der Vater stammte von einem Bauernhof und hatte als Repräsentant eines deutschen Unternehmens in Barcelona Wilhelms Mutter, Adelita Argenti, kennengelernt. Die Eltern befanden sich auf der Hochzeitsreise in die Heimat des Vaters, als der spanische Bürgerkrieg ausbrach. So konnten sie nicht zurück und blieben auf dem großväterlichen Bauernhof, ein Aufenthalt, der sich dadurch erheblich verlängerte, dass im Anschluss an den Bürgerkrieg der 2. Weltkrieg ausbrach. Wilhelm, sein Bruder und seine Schwester kamen in diesen Jahren in Lennep zur Welt. Der Vater wurde als Soldat eingezogen und ist gegen Ende des Krieges in Schlesien gefallen.
Die Dresbachs waren evangelisch, und so schickte der Großvater den sechsjährigen Wilhelm regelmäßig in den evangelischen Kindergottesdienst. Wilhelm erzählte es häufig, dass eines Tages, Wilhelm war neun, ein Junge ihn mitnahm in die katholische Messe und da habe er gewusst: hier ist Gott. Von da an besuchte er die Messe heimlich, denn da er auf die ev. Bekenntnisschule ging, durfte sein Tun nicht bekannt werden. Wilhelm hat oft darüber gesprochen, dass er sich schon in diesen jungen Jahren als Dolmetscher seiner Mutter üben musste.
1948 war es dann so weit, dass die Familie zurück nach Barcelona strebte. Wenige Tage vor der Abreise im März ließ die Mutter ihre Kinder in der katholischen Kirche taufen. Sie dachte wohl nicht zu Unrecht, dass das Leben in Spanien auf diese Weise erleichtert werde. Einmal fragte ich Wilhelm, ob ihm etwas von seiner Frühgeschichte in der evangelischen Kirche verblieben sei – „die Lieder“, antwortete er.
Wilhelm war elf, als die Familie im März 1948 in Barcelona eintraf. Ganz ein Bub aus dem Bergischen Land habe er sich gewundert, dass der Taxifahrer am Flughafen seine Frage, wieviel Meter Barcelona denn über dem Meeresspiegel liege, gar nicht beantworten konnte. Von der vierten deutschen Klasse wechselte er über in die vierte spanische – und schon das erste Diktat sei fehlerfrei gewesen.
Nach dem Abschluss der Volksschule begann er in der Schleifmaschinen-Werkstatt seines spanischen Großvaters zu arbeiten; die spätere Berufsausbildung fand in der Textilbranche statt. Er hatte intensiven Kontakt zu kirchlichen Gruppen, insbesondere zu den Pfadfindern, dort hätte er auch für den Bau von Gaudis Sagrada Familia Spenden gesammelt.
1962 strebte Wilhelm zurück nach Deutschland. Anlaufstation war wieder der Großvater in Lennep, bald aber zog er nach München, weil dort sein Bruder ein Ingenieur-Studium aufgenommen hatte und mit der Mutter lebte. Wilhelm verspürte den Wunsch, Theologie zu studieren und vielleicht Priester zu werden. In der Ausbildungsstätte für Spätberufene in Waldram-Wolfratshausen holte er das Abitur nach und studierte anschließend katholische Theologie in München und Augsburg. In München lauschte er, wie er wörtlich sagte, „dem zerknirschten Gesichtsausdrucks schwere Kost bietenden Karl Rahner“. Seine in Augsburg eingereichte Diplomarbeit betraf den spanischen Prediger und theologischen Schriftsteller – von Papst Benedikt XVI. 2012 zum Kirchenlehrer erhobenen – Juan de Avila (1500-69).
Während seiner Augsburger Zeit wohnte er zuerst rund zwanzig Jahre in der Bleichstraße und ist später ins Paradiesgässchen umgezogen, in dasselbe Haus, in dem auch seine Mutter wohnte. So ist er die ganze Zeit der Gemeinde St. Maximilian verbunden gewesen, war Pfarrgemeinderat und betätigte sich in der Jugendseelsorge.
Als frischgebackener Diplomtheologe hat Wilhelm zunächst die Kirchenzeitung ausgetragen, was ihm 11 Pf. pro Exemplar einbrachte, dann wurde er zum Kreuztragen bei Beerdigungen auf dem Herman-Friedhof eingesetzt und als Reiseleiter stellte er seine Kenntnisse romanischer Sprachen in den Dienst der Fatima- und Lourdes-Pilgerschaft. Eine dauerhaftere und ihn besonders motivierende Beschäftigung fand Wilhelm bei der ALFA, der Aktion Lebensrecht für Alle, die für das uneingeschränkte Lebensrecht jedes Menschen eintritt, ob geboren oder ungeboren, behindert oder nicht. Schließlich wurde ihm eine Vertretungsstelle als Religionslehrer an Grund- und Sonderschulen angeboten. Während zwölf Jahren habe er mit über 3000 Schülern zu tun gehabt, mit manchen ist der Kontakt bis in die Gegenwart nicht abgebrochen. Regelmäßige Kontakte unterhielt er auch zu jungen Menschen aus der aramäischen Gemeinde in Lechhausen; immer wieder ist er von Eltern um Rat in Erziehungsfragen aufgesucht worden und hat mit Rat und vor allem Tat Hilfe geleistet. Von seinem pädagogischen Talent hatte er selbst eine hohe Meinung: Niemand, sagte er einmal, könne ihn in Geduld und Verständnis für Menschen übertreffen.
„Der Rosenkranz ist meine Heimat“, pflegte Wilhelm zu sagen und über viele Jahre hinweg hat er in der Fuggerei-Kapelle allabendlich das Rosenkranzgebet geleitet. Noch heute denken viele Teilnehmer mit Dankbarkeit daran zurück.
Wilhelm hat sich aber auch intensiv mit gesellschaftlichen und kirchlichen Tagesfragen beschäftigt. Er war eine engagierte Persönlichkeit, ein homo politicus, ein Kämpfer und Bekenner aus dem Geist des Katholizismus, eines durchaus konservativen Katholizismus. Als Lebensschützer beteiligte er sich regelmäßig an Aktionen gegen Abtreibung, in zahlreichen Leserbriefen nahm er Stellung zu Fragen wie Sterbehilfe, Organspende, Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare, Leihmutterschaft oder die sog. „Frühsexualisierung“ an Schulen; kirchliche Fragen betrafen etwa die sechste Vaterunser-Bitte, die Segnung homosexueller Paare, den liturgischen Friedensgruß und natürlich die ganze Thematik des sog. „synodalen Wegs“; in der Zeit vor zwanzig Jahren beschäftige ihn intensiv die Vorgänge um die EU-Verfassung, deren Präambel weder einen Gottesbezug aufwies noch das Christentum als Wertebasis eines vereinten Europas erwähnte – „sträfliche Amputation“ nannte er das. Wilhelm war entschieden in seinen stets gut durchdachten Ansichten, ihm zu widersprechen und ihn eines anderen zu belehren, war eine Aufgabe. Aber er hatte Humor und lachte herzlich.
Wilhelm war ein wahrer Künstler darin, sein ganzes Leben, die Umbrüche seines Lebens von Lennep nach Barcelona und zurück und weiter nach München und Augsburg, seinen Kampf um Erhalt eines Daseins in Würde ohne viel soziale Sicherheit – in all dem Fügung und noch einmal Fügung zu sehen. Er bekomme so viele Zeichen vom Himmel, sagte er, darüber könne er Bücher schreiben. Er sah sich geführt, alles was ihm geschah war letztlich gut bedacht und heilsam und er empfand eine große Dankbarkeit gegenüber der Kirche, die er als seine eigentliche Heimat ansah. Er beklagte sich nicht und beneidete niemand. Er war vielen Menschen gegenüber hilfreich und zögerte nicht, Hilfe anzunehmen, wenn er sie brauchte, was ihm besonders in den letzten Jahren zuteilwurde. Wenn nicht bis zum letzten Tag, so doch bis zur letzten Woche hatte er den für ihn typischen festen Händedruck.
Ich werde ihn als einen Freund in Erinnerung behalten, in dem rheinischer Frohsinn, katalanische Entschiedenheit und tiefes Gottvertrauen ihre eigene Ausprägung gefunden haben.
Seine schönsten Stunden hatte Wilhelm vielleicht im Religionsunterricht. Er beeindruckte die Kinder damit, dass er sie schon in der zweiten Stunde mit ihren Namen anreden konnte. Er war stolz darauf, dass er den vielen Kindern das schlichte Gebet „Der Tag ist aufgegangen“ fürs Leben beigebracht hat. Noch vor wenigen Monaten empfing er den Besuch eines ehemaligen Schülers und am Ende beteten sie gemeinsam „Der Tag ist aufgegangen, Herr Gott, dich lob ich allezeit, /dir sei er angefangen, zu deinem Dienst bin ich bereit. / Den Tag will ich dir schenken, und alles, was ich tu / im Reden und im Denken, im Werk und in der Ruh.“ Möge er ruhen in Frieden.
Robert Heuser
Gedenkkerze
Alexandra Maria Linder
Lieber Wilhelm, danke für Deine langjährige, stetige, konsequente Lebensrechts-Einstellung, Deine vielen wichtigen Tätigkeiten und Deine immer klaren Worte. Du bist bestimmt an anderem Ort schon wieder aktiv. Ruhe in Frieden und Kwaheri!
Gedenkkerze
Raymond Georg Snatzke
Herr, schenke Wilhelm, Deinem tapferen und immer rastlosen Streiter auf Erden, die ewige Ruhe! Aber so, wie wir hier Wilhelm kennengelernt haben, wird er auch im Himmel weiter rührig sein :-)
Weitere Todesfälle