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Wenn Kinder trauern - und wie man mit ihnen umgeht

Von Melanie Schiele

Verlieren Kinder einen geliebten Menschen, verlaufen sie verschiedene Phasen der Trauer. Mal sind sie traurig und zurückgezogen, mal sind sie ausgelassen und froh. Foto: Africa Studio, stock.adobe.comVerlieren Kinder einen geliebten Menschen, verlaufen sie verschiedene Phasen der Trauer. Mal sind sie traurig und zurückgezogen, mal sind sie ausgelassen und froh. Foto: Africa Studio, stock.adobe.com

Schon Erwachsene können den Tod eines geliebten Menschen nur schwer verkraften. Bei Kindern und Jugendlichen ist das nicht anders. Doch sie gehen mit ihrer Trauer, ihrem Schmerz und ihrer Wut anders um, das sorgt bei Erwachsenen teilweise für Unverständnis. Deshalb muss man verstehen, was in Kindern und Jugendlichen nach einem Todesfall vorgeht, um ihnen in der schweren Zeit eine gute Stütze zu sein.

Wie sage ich meinem Kind, dass jemand gestorben ist?

Das geht bereits los mit der Nachricht des Todesfalls, Stichwort: „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“  Beim Überbringen der Nachricht kommt es darauf an, deutliche Worte zu wählen, zum Beispiel:

  • Opa ist gestorben. Wenn Menschen älter werden, wird auch der Körper schwächer, bis er irgendwann nicht mehr weiterleben kann.
  • Mama ist tot. Ihr Körper war zu krank und hat aufgehört zu funktionieren.
  • Tante Marie ist verstorben. Das bedeutet, dass ihr Herz aufgehört hat zu schlagen. Sie atmet nicht mehr und sie bewegt sich nicht mehr.

Blumige oder ausweichende Formulierungen können Kinder verunsichern. Sie stellen sich automatisch Fragen dazu.

  • …ist für immer eingeschlafen: Kann mir das auch passieren?
  • …ist für immer fortgegangen: Warum kommt Opa oder Oma nicht einfach zurück? Was habe ich angestellt?
  • …wohnt jetzt im Himmel: Warum dort und nicht im gewohnten Zuhause? Warum können wir nicht zu Besuch fahren?
  • …verloren: Warum können wir nicht suchen gehen?

Schwammige Formulierungen wirken zwar rücksichtsvoll, bewirken aber Verunsicherung, Unverständnis und Zukunftsangst. Deutliche, aber einfühlsame Worte scheinen zwar hart, vermitteln den Kindern den Sachverhalt aber besser.

Kindern beim Trauern ein Vorbild sein

Was auch wichtig ist: Die eigene Trauer sollte man vor Kindern nicht verstecken. Wer sich immer nur stark und gefestigt gibt, vermittelt viel eher, dass man die eigenen Gefühle nicht ausleben darf und sie verstecken muss. Ein offener Umgang mit dem eigenen Schmerz jedoch zeigt Kindern: Man darf traurig sein, man darf weinen, man darf Schwäche zeigen – das ist völlig normal.

Gleichzeitig brauchen Kinder starke Ansprechpersonen. Gerade trauernde Eltern sollten also darauf achten, dass sie neben aller Trauer ihre Verantwortung nicht vergessen und sich immer wieder aus ihrem Tief herauskämpfen. Sollte ihnen das nicht möglich sein, sind professionelle Trauerbegleitungen die richtige Antwort. Sie helfen über schwere Zeiten und lehren den richtigen Umgang mit Trauer und Schmerz.

Auch für Kinder gibt es professionelle Hilfestellen. Eltern oder Angehörige sollten das Verhalten eines trauernden Kindes also genau beobachten. Verliert es den Spaß an Hobbies oder Freizeitbeschäftigungen, zieht es sich vor seinem Freundeskreis zurück, wird es plötzlich aggressiv oder verschlossen? Dann sollten sie sich Hilfe holen: Auch für Kinder und Jugendliche gibt es speziell geschulte Trauerbegleiterinnen und -begleiter. Auch Kinderpsychologinnen und -psychologen sind Anlaufstellen.

Kinder trauern in Schüben – diese Reaktionen sind möglich

Doch nicht jede Reaktion eines Kindes auf die Nachricht vom Tod einer nahestehenden Person benötigt gleich professionelles Einschreiten. Dazu muss man wissen, dass Kinder anders trauern, das wirkt zum Teil sehr befremdlich. Während Erwachsene sich fühlen, als würde ihnen der Boden unter den Füßen weggerissen, verarbeiten Kinder die Trauer in Schüben.

Bei Kindern verläuft Trauer in Schüben oder Wellen. Sie sind nicht immer nur traurig. Vieles verarbeiten sie auch im Spiel. Foto: Nailia Schwarz, stock.adobe.com

 

BU: Bei Kindern verläuft Trauer in Schüben oder Wellen. Sie sind nicht immer nur traurig. Vieles verarbeiten sie auch im Spiel. Foto: Nailia Schwarz, stock.adobe.com

Mal sind sie zutiefst traurig und weinen viel, mal sind sie ausgelassen und fröhlich, mal sind sie wütend und verzweifelt. Die Phasen können sich mitunter relativ schnell abwechseln. Ein Kind, das gerade vor Traurigkeit nicht wusste, wohin mit sich, spielt und lacht im nächsten Moment ausgiebig mit anderen.

Die Psychologie erklärt das mit Schutz vor Überbeanspruchung. Durch die Erholungsphasen können sie kurz abschalten und ihre Seelenleben etwas regenerieren.

Als Eltern oder Angehörige darf man sich von den spontanen Stimmungswechseln nicht irritieren lassen. Am besten nimmt man diese Phasen hin, wie sie kommen – bleibt aber für das Kind immer in der Nähe, falls es jemanden zum Anlehnen oder Reden braucht. Entwickeln sich die Reaktionen in eine extreme Richtung, ist es wichtig, sich professionelle Hilfe ins Boot zu holen.

Auch Jugendliche brauchen Hilfe bei der Trauer

Jugendliche ähneln in ihren Reaktionen schon eher trauernden Erwachsenen. Sie verstehen die Endgültigkeit des Todes, die Konsequenzen – und machen sich vielleicht Gedanken über die eigene Endlichkeit. Gleichzeitig haben sie mit ihren altersspezifischen Problemen zu kämpfen:  Der Körper verändert sich, die Interessen verschieben sich, der Freundeskreis verändert sich, die Liebe und Verliebtsein spielen plötzlich eine Rolle, die zwischenmenschlichen Probleme nehmen an Komplexität zu.

In der Pubertät haben Kinder sowieso schon mit einem Gefühlswirrwarr zu tun. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen kann sie zusätzlich aus der Bahn werfen. Foto: Anja Greiner Adam, stock.adobe.com

 

In der Pubertät haben Kinder sowieso schon mit einem Gefühlswirrwarr zu tun. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen kann sie zusätzlich aus der Bahn werfen. Foto: Anja Greiner Adam, stock.adobe.com

Kommt in dieses Gefühlswirrwarr noch die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen, benötigen auch vermeintlich schon fast Erwachsene Hilfe von älteren Angehörigen – den Eltern oder einer anderen Vertrauensperson. Auch hier ist es wichtig, offen und ehrlich ins Gespräch zu gehen und auch für das pubertätsbedingte Gefühlschaos Verständnis aufzubringen.

Im Gespräch mit Gleichaltrigen können sich Jugendliche meist besser öffnen und ihre Gefühle beschreiben. Foto: Xavier Lorenzo, stock.adobe.com

 

Im Gespräch mit Gleichaltrigen können sich Jugendliche meist besser öffnen und ihre Gefühle beschreiben. Foto: Xavier Lorenzo, stock.adobe.com

Gesprächs-   oder Selbsthilfegruppen können ebenfalls eine Lösung sein. Mit Gleichaltrigen fällt es Jugendlichen oft leichter, sich zu öffnen und über ihre Gefühle zu sprechen.

H3: Sollen Kinder mit zur Beerdigung gehen?

Die Begegnung mit dem Tod, möglicherweise sogar mit einem toten Menschen, einem offenen Sarg, wollen Eltern ihren Kindern gerne ersparen. Doch das ist der falsche Weg. Kinder wollen Abschied nehmen – brauchen dies oft sogar, um zu begreifen, was wirklich passiert ist.

Sie sollten jedoch nicht unvorbereitet auf die Beerdigung gehen. Eltern oder erwachsene Angehörige sollten im Vorfeld so gut wie möglich erklären, wie eine Trauerfeier abläuft. In diesem Gespräch können sie auch gleich abklopfen, wie viel sich das Kind zumuten möchte. Meist wissen Kinder das intuitiv sehr gut einzuschätzen.

Für Kinder ist es nach einem Todesfall wichtig, Abschied zu nehmen. Deshalb sollten sie an der Beerdigung teilnehmen. Foto: peopleimages.com, stock.adobe.com

 

Für Kinder ist es nach einem Todesfall wichtig, Abschied zu nehmen. Deshalb sollten sie an der Beerdigung teilnehmen. Foto: peopleimages.com, stock.adobe.com

Dennoch sollte für den Notfall gesorgt sein: So können beispielsweise Patin oder Pate oder eine andere vertraute Person bereitstehen und mit dem Kind die Trauerfeier verlassen, wenn es ihm zu viel wird.

Auch der Leichenschmaus sollte vorher erklärt werden. Zunächst sind alle traurig und in Tränen aufgelöst, danach sitzt man ausgelassen beisammen? Das kann auf Kinder sehr irritierend wirken. Wichtig ist, dass man ihnen erklärt, dass es der Leichenschmaus auch dafür da ist, sich an die schönen und lustigen Momente mit dem oder der Verstorbenen zu erinnern.

Diese Herangehensweise hilft Kindern auch abseits der Trauerfeier. Kleine Rituale oder ein Gedenkort in der Wohnung hilft, die Erinnerung an den geliebten Menschen frisch zu halten. Sie können außerdem eine Stütze während der Trauerphase sein – für Kinder, aber gleichermaßen auch für erwachsene Trauernde.